In meiner Praxis kläre ich oft über Omega-3 auf. Fisch am Freitag, ein Löffel Leinöl ins Müsli – reicht das wirklich für eine gute Omega-3-Versorgung? Meine ehrliche Antwort: In den meisten Fällen leider nicht. Und das liegt nicht an mangelnder Disziplin, sondern an unserer Ernährung insgesamt.
Zu viel Omega-6, zu wenig Omega-3
Sonnenblumenöl, Maiskeimöl, Fertigprodukte, verarbeitetes Fleisch – all das liefert reichlich Omega-6-Fettsäuren. Das Problem: Omega-6 und Omega-3 konkurrieren im Stoffwechsel um dieselben Enzyme. Ist zu viel Omega-6 im Spiel, bleibt für die Umwandlung und Verwertung von Omega-3 kaum Kapazität übrig. Das durchschnittliche Verhältnis liegt hierzulande bei etwa 15:1 (Omega-6 zu Omega-3) – die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt maximal 5:1. Diese Schieflage steht im Verdacht, sogenannte stille Entzündungen zu begünstigen – niedriggradige Prozesse im Körper, die lange unbemerkt bleiben können. Mehr dazu weiter unten.
Warum „einfach mehr Fisch essen“ nicht reicht
Um allein über die Ernährung einen guten Omega-3-Status zu erreichen, müsste man deutlich mehr fetten Fisch essen, als in unserem Alltag realistisch ist. Selbst dann bleibt die individuelle Verwertung fraglich. Zwei Menschen mit identischem Speiseplan können völlig unterschiedliche Werte im Blut haben. Schätzen bringt hier wenig. Messen schon.
Was die Fettsäure-Analyse zeigt
Bevor eine gezielte Omega-3-Einnahme sinnvoll ist, sollte zuerst eine Messung erfolgen: Bei dem Test, den ich in der Praxis einsetze, werden insgesamt 26 Fettsäuren erfasst – darunter auch der Omega-3-Index. Dieser gibt an, wie viel EPA und DHA sich tatsächlich in den Zellmembranen der roten Blutkörperchen befinden. Er spiegelt damit die Versorgung der letzten Wochen wider (ein rotes Blutkörperchen lebt durchschnittlich etwa 120 Tage) und ist damit nicht nur eine Momentaufnahme. Der Omega-3-Index-Zielbereich liegt bei 8–11%. Der Durchschnitt in Deutschland liegt meist deutlich darunter.
Omega-3 und Herzgesundheit: Was gesichert ist – und was diskutiert wird
Wissenschaftlich anerkannt (EFSA) ist: EPA und DHA tragen bei einer täglichen Aufnahme von 250 mg zu einer normalen Herzfunktion bei. DHA trägt bei derselben Tagesdosis zur Erhaltung einer normalen Gehirnfunktion sowie einer normalen Sehkraft bei.
Der sogenannte Omega-3-Index – ein Maß für den Omega-3-Gehalt in den roten Blutkörperchen – wird von einigen Forschern als vielversprechender Biomarker für die Herzgesundheit diskutiert. Große Studienübersichten (u.a. ein Cochrane-Review) kommen allerdings zu uneinheitlichen Ergebnissen zur Schutzwirkung von Omega-3-Präparaten – die Wissenschaft ist sich hier nicht einig. Wer sich für seinen individuellen Omega-3-Status interessiert, kann diesen labordiagnostisch bestimmen lassen.
Omega-3 und stille Entzündungen: was die Forschung (noch nicht) weiß
In der funktionellen Medizin wird diskutiert, ob Omega-3-Fettsäuren einen positiven Einfluss auf sogenannte „stille Entzündungen“ haben können – ein Zustand niedriggradiger, oft unbemerkter Entzündungsaktivität im Körper. Erste Studien zeigen Zusammenhänge zwischen dem Omega-3-Status und Entzündungsmarkern wie CRP, eine wissenschaftlich einheitliche Definition und gesicherte Studienlage gibt es dazu bisher allerdings nicht.
Der erste Schritt
Der Ausgangspunkt ist immer derselbe: erst messen, dann handeln. Erst mit diesem Ausgangswert lässt sich sinnvoll dosieren – statt auf Verdacht zu supplementieren. Auf dieser Basis kann eine gezielte Omega-3-Zufuhr dazu beitragen, das Fettsäureverhältnis im Körper wieder in Richtung Balance zu verschieben. Nach einigen Monaten zeigt eine Kontrollmessung, ob sich der Index tatsächlich verbessert hat – und ob die gewählte Dosis passt oder angepasst werden sollte.
So wird aus „ich nehme mal Omega-3“ ein Vorgehen, das auf euren tatsächlichen Werten basiert – nachvollziehbar und individuell.
In meiner Praxis biete ich diese Fettsäure-Analyse als einfachen Test an, ähnlich einer Blutzuckerselbstmessung: Ein kleiner Stich in die seitliche Fingerbeere genügt, ein bis zwei Tropfen Blut werden auf ein spezielles Filterpapier aufgebracht und zur Auswertung ins Labor geschickt. Kein großer Aufwand – aber eine verlässliche Grundlage für alles Weitere.
Ihr habt Fragen zur Fettsäure-Analyse oder wollt einen Termin dafür? Sprecht mich gerne an.